Von neuer Urbanität, Co-Culture und Micro Living – ein Blick in die Zukunft des Wohnens.

„Die Zukunft gehört der Stadt“ titelt das Zukunftsinstitut Kelkheim in seinem Bericht „2040 | Die Stadtwirtschaft von morgen“.

Die Verstädterung, Wachstum und Ausdehnung städtischer Bereiche und Bevölkerung, ist am Vormarsch. Auch in Europa wird eine Re-Urbanisierungswelle insbesondere in den technologisch fortschrittlichen Städten erwartet. Entgegen der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung, die in Österreich, aber auch in vielen Teilen Europas rückläufig ist, wird eine explosionsartige Entwicklung der attraktiven Städte prognostiziert. Das vielfältige Angebot an Arbeit, Ausbildung und Freizeit lockt immer mehr Menschen in diese Städte und lässt sie so zunehmend zu Ballungszentren heranwachsen. Die ursprünglich erhoffte Dezentralisierung und Regionalisierung durch die digitale Vernetzung bleibt aus. Vielmehr zeichnet sich eine noch stärkere Verdichtung urbaner Gebiete ab.

Ultimative Freiheit durch Urbanität?

Das Bedürfnis des Einzelnen nach Individualität und nach alternativen Lebensstilen wird stetig größer. Der urbane Raum bietet hierfür ideale Entfaltungsmöglichkeiten begünstigt durch den Deckmantel der Anonymität. Es sind neue Familienmodelle, Konsumverhalten oder Wohnformen, die im Schatten und im Schutze einer namen- und gesichtslosen Masse unzählige und vor allem unkonventionelle Möglichkeiten schaffen. Die Freiheit wählen zu können ermöglicht in den nächsten Jahren und Jahrzehnten immer mehr Optionen für die private Lebensführung und mündet in der Entwicklung neuer Szenen, Gemeinschaften, Kulturströmungen, Familienmodellen – abseits alter Konventionen und Normen. Doch so individuell die Entscheidung des Lebensstils auch ist, so gemeinschaftlich soll dieser gelebt werden und das auch in Großstädten. Die renommierte Zukunftsforscherin Oona Horx-Strathern vom Zukunftsinstitut Österreich GmbH beschreibt in ihren Vorträgen das Paradoxon der Individualisierung wie folgt:

„Je individualistischer der Lebensentwurf, desto wichtiger wird die Unterstützung durch andere Menschen.“

Wie wir 2040 wohnen.

„Städte sind Super-Organismen, in denen jeder mehrere verschiedene Rollen spielt, die sich gegenseitig organisieren“ Lewis Mumford.

Anerkannte Forscher prognostizieren in den kommenden Jahren ein Verschwimmen der bekannten Grenzen zwischen Wohnen und Arbeiten bis hin zur Unkenntlichkeit. Mit dem Auflösen der Grenze vermengen sich Beruf und Freizeit, beruflicher und privater Freundeskreis. Gepaart mit dem ständigen Bedürfnis der Mobilität formt sich eine bisher nicht dagewesene Form des Lebens und Wohnens. Die sogenannte Co-Culture entsteht.

Car-Sharing und Co-Working sind Begriffe, die schon heute auftauchen, wenn es um zukunftsorientierte und nachhaltige Lebens-, Arbeits- oder Mobilitätsformen geht. Co-Culture geht weiter. Sie verbindet all diese Bereiche bis hin zum privaten Wohnen und bildet eine neue, dynamische Lebensform. Work-Life-Integration ist die Zielrichtung.
Querdenker im innovativen Wohnungsbau planen schon heute zukunftsweisende Immobilien, die eine Integration und Konvergenz zwischen den unterschiedlichen Lebensbereichen erlauben: Wohnen, Arbeiten, Kinder- und Altenbetreuung. Viele Bereiche werden in Zukunft (wieder) enger ineinandergreifen.
Im 2. Wiener Gemeindebezirk wurde ein solches Zukunftsprojekt bereits verwirklicht. Nach dem Co-Housing Prinzip wurden 39 Wohneinheiten mit rund 3300 m² Wohnnutzfläche errichtet. Neben der individuellen Wohnfläche stehen zirka 700 m² Gemeinschaftsräume, sogenannte „Shared Spaces“, zur Verfügung. Dort findet man etwa eine Sauna, Yogaräume, Gästezimmer, Gemeinschaftsküchen, eine Bibliothek uvm. Es wird gemeinsam gekocht, gelesen und eben auch gewohnt. Der Lebensmittelpunkt bewegt sich aus den privaten Räumen hin zum gemeinschaftlich genutzten, großzügigeren Shared Space. Sogar 350 m² Gewerbefläche wurden integriert. Co-Housing wird somit vom ursprünglichen Produkt des urbanen Flächenmangels zur aktiven Lebenseinstellung.
Trendforscherin Horx-Strathern geht so weit anzunehmen, dass in Zukunft der Wohnraum nicht mehr nach seinen Quadratmetern, sondern nach der Qualität seiner Shared Spaces bemessen werden wird.
Auch in Dänemark wurde ein Vorzeigeprojekt umgesetzt, das jedoch einem anderen Trend folgt. „Homes for All“ ist ein sozialer Wohnbau, der gehörig aus der Reihe tanzt. Ziel war es, auf den kleinstrukturierten Flächen im innerstädtischen Bereich möglichst attraktive und vor allem leistbare Wohnflächen zu errichten. Dies gelang mit einer Modultechnik. Vorgefertigte Module werden Lego-artig zu einem Wohnbau formiert. Es entstehen kleine und funktionell strukturierte Wohnungen, sogenannte „Tiny Homes“ als Teil einer „Micro Living“ Kultur, die durch die geringe Verfügbarkeit von Flächen im urbanen Raum geformt wird.

Wohin die Reise wirklich geht, kann nur gemutmaßt werden. Sicher ist nur, dass sie schon längst begonnen hat.

 

Stiller & Hohla Empfehlung: Oona Horx-Strathern hält im Rahmen der Messe CASA am 23. Jänner 2020 einen Vortrag zum Thema „Future Living“ in Salzburg. Vergünstigte Vorverkaufstickets gibt’s hier: www.casa-messe.at/ticket

 

Quellen: HEAG 2040 „Die Stadtwirtschaft von morgen“, eine Studie des :zukunfts|institut; „Die Stadt von morgen“, Vortrag Oona Horx-Strathern

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